Pfarrer Thomas Vesterling - Biografie

Liebe Gemeinde,

meine Patenbrigade waren die Grenztruppen der Nationalen Volksarmee. Jede Schulklasse war in der DDR mit solch einer Gruppe aus Betrieben oder aber der staatlichen Öffentlichkeit verbunden. Immer am 1. Dezember hieß es für meine Klassenkameraden und mich: Heute gehen wir in die Kaserne! Nur wenige 100 Meter von der innerdeutschen Grenze entfernt sollten wir dann lernen, mit Handgranatattrappen zu werfen und auf Luftballons zu schießen.

Ein Grenzsoldat ist trotzdem nicht aus mir geworden, eher schon jemand, den es in die Ferne zieht. Meine Eltern, die in einem "sozialistischen" Staat einen privaten Handwerksbetrieb führten, haben gewiss ihren Anteil daran, dass ich schon früh versucht habe, die Welt aus unterschiedlicher Perspektive zu betrachten. Da spielten nicht nur politische, sondern auch wirtschaftliche und freundschaftliche Erwägungen eine Rolle, wenn ich an die Herausforderungen meiner Kindheit zurückdenke. Im Landesgymnasium Wernigerode, wo der Rundfunk-Jugendchor zu Hause ist, setzte ich nach der friedlichen Revolution meine schulische Ausbildung fort, und im Anschluss an das Abitur leistete ich meinen Zivildienst im Kreisjugendpfarramt Wernigerode. Dann ging es zum Studium nach Greifswald, Tübingen, Amsterdam und Halle, bis mich meine Landeskirche nach dem Examen zum Vikariat in die Domgemeinde Merseburg entsandte.

Bereits in meiner Diplomarbeit beschäftigte ich mich mit Christen, die nicht kirchlich gebunden sind. Was kann die verfasste Kirche von ihnen lernen? Es war der Versuch, neu auf Menschen zu blicken, für die der Glaube an Gott wichtiger ist als das Festhalten an Traditionen. Doch woraus lebt die Kirche? Schon während des Studiums empfand ich es immer wieder als große Bereicherung, mit Christen aus anderen Ländern und Kulturen ins Gespräch zu kommen. Reisen und Praktika in Tansania, Portugal, in Israel, der Ukraine und anderswo gehörten bald wie selbstverständlich in meine Planungen. Nach einem Jahr in den USA, wo ich in unserer Partnerkirche, der United Church of Christ, als Pfarrer gearbeitet hatte, kam ich nach Klein Schwechten in der Altmark, um dort in den Entsendungsdienst zu gehen. Viele gute Erfahrungen aus den USA und anderswo begleiteten mich und halfen mir, mich den vielen neuen Aufgaben der ersten Dienstjahre zu stellen.

Die vergangenen vier Jahre habe ich mit meiner Familie in Klein Bartensleben gelebt und den Pfarrbereich Beendorf-Weferlingen betreut. Nur wenige Kilometer vom alten Grenzübergang Helmstedt-Marienborn an der A2 entfernt. Hier wurde mir immer wieder bewusst, dass unser Leben und eben auch unsere Kirche dem ständigen Wandel unterworfen ist. Ich begreife das als Chance und freue mich über die gewonnen Freiheiten, versuche die Chancen darin zu entdecken. Beruflich habe ich mich u.a. besonders in der Ökumene engagiert und in der Seelsorge weitergebildet.

"Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen." heißt es im 18. Psalm und wissen Sie was? Ich glaube, das stimmt!

Ihr und Euer Pfarrer Thomas Vesterling